Seit Anfang des Monats stellen viele Website-Betreiber eine immer sichtbarere Verkehrsdifferenz zwischen der Google Search Console und GA4 fest. Die in der Search Console angezeigten Klicks steigen oder bleiben stabil, während die von Google in GA4 stammenden Sitzungen zurückgehen, manchmal drastisch. Bei einigen Websites übersteigt der Unterschied mittlerweile 20 %, 30 % oder mehr.
Diese Diskrepanz ist nicht neu, aber ihr jüngstes Ausmaß ist bemerkenswert. Die Zahlen scheinen nicht mehr einfach „unterschiedlich“ zu sein: Sie erzählen manchmal zwei gegensätzliche Geschichten. Diese Situation betrifft vor allem redaktionelle Websites, Informationsinhalte und Seiten, die stark auf Mobilgeräten exponiert sind.
Zwei Werkzeuge, die nicht dieselbe Realität messen
Search Console und GA4 haben den Verkehr nie auf die gleiche Weise gezählt. Die Search Console misst Klicks aus den Google-Ergebnissen, während GA4 tatsächlich geladene Sitzungen mit einem aktiven Skript misst.
Ein in der Search Console gezählter Klick bedeutet, dass der Benutzer auf ein Google-Ergebnis geklickt hat. Das garantiert nicht, dass die Seite vollständig geladen wurde oder dass GA4 die Sitzung rechtzeitig aufgezeichnet hat.
Laut Google wird eine Abweichung von 5 bis 15 % als normal angesehen. Seit Anfang des Monats überschreiten viele Websites diese Schwelle deutlich, was auf eine Ansammlung verschärfender Faktoren hinweist.
Suchanfragen ohne tatsächliches Laden der Seite
Einer der Haupttreiber dieser Abweichung liegt in der Entwicklung der Google-Ergebnisseiten. Immer mehr Informationen werden direkt angezeigt, was die tatsächliche Interaktion mit den Websites verringert.
In einigen Fällen klickt der Benutzer, kehrt sofort zurück oder schließt den Tab, bevor GA4 ausgelöst wird. Der Klick wird in der Search Console gezählt, aber in GA4 erscheint keine Sitzung.
Laut SparkToro enden mehr als 58 % der Google-Suchen mittlerweile ohne dauerhafte Interaktion mit einer Website. Auf Mobilgeräten übersteigt diese Zahl oft 65 %. Dieser Trend verstärkt mechanisch die Diskrepanz zwischen Klicks und Sitzungen.
GA4 strenger bei der Validierung von Sitzungen
GA4 wendet strengere Regeln an als das alte Universal Analytics. Eine Sitzung wird nur gezählt, wenn bestimmte Bedingungen erfüllt sind
Laden des Skripts
Akzeptanz der erforderlichen Parameter
minimale Aktivitätsdauer
Wenn der Benutzer die Seite zu schnell verlässt, kann GA4 nichts aufzeichnen.
Seit mehreren stillen Updates von GA4 scheint sich die Mindestdauer vor der Validierung einer Sitzung auf einigen Websites verlängert zu haben. SEO-Agenturen beobachten einen durchschnittlichen Rückgang von 8 bis 12 % der GA4-Sitzungen bei konstantem Verkehr.
Die Search Console berücksichtigt diese Kriterien nicht. Der Klick wird sofort aufgezeichnet.
Zustimmung und blockierendere Banner
Die Verallgemeinerung der zustimmungsbezogenen Regeln verstärkt die Abweichungen erheblich. Wenn der Benutzer das Banner ablehnt oder ignoriert, kann GA4 teilweise oder vollständig blockiert werden.
Die Search Console zählt weiterhin die Klicks, da sie nicht von der Zustimmung abhängt. GA4 hingegen kann einen erheblichen Teil der Besuche verlieren.
Laut einer Studie von Didomi validieren zwischen 25 und 40 % der europäischen Nutzer die analytischen Tracker nicht sofort. Auf einigen Websites reicht dies aus, um einen deutlichen Rückgang der GA4-Sitzungen ohne tatsächlichen Rückgang der Sichtbarkeit zu erklären.
Ein sehr ausgeprägter Mobile-Effekt seit Anfang des Monats
Die Mehrheit der kürzlich beobachteten Abweichungen betrifft den mobilen Verkehr. Auf Smartphones sind die Verhaltensweisen schneller:
– sofortige Rückkehr
– Tab schließen
– Navigation über Google Discover
– Öffnen im Hintergrund
Laut StatCounter werden mehr als 63 % der Google-Suchen mittlerweile auf Mobilgeräten durchgeführt. Auf diesen Geräten hat GA4 mehr Schwierigkeiten, eine vollständige Sitzung auszulösen, bevor der Benutzer die Seite verlässt.
Ergebnis
Die Search Console zeigt einen Anstieg oder eine Stabilität
GA4 zeigt einen Rückgang oder eine Stagnation
Der Unterschied ist besonders auf Informationsseiten sichtbar.
Core Update und erweiterte Ergebnisanzeige
Die jüngsten Core Updates haben die Anzeige von Inhalten direkt in Google verstärkt. Lange Auszüge, synthetische Antworten, Dropdown-Blöcke… Der Benutzer klickt manchmal, um eine Information zu überprüfen, und geht dann sofort zurück.
In diesem Schema zählt die Search Console den Klick. GA4 hingegen zeichnet nichts auf, wenn die Seite nicht lange genug geladen wird.
Laut Sistrix sehen Seiten, die unter erweiterten Auszügen angezeigt werden, ihre tatsächliche Klickrate sinken, aber ihre Impressionen und Rohklicks steigen. Diese Trennung verstärkt die statistischen Abweichungen.
Verzögertes Laden des GA4-Skripts
Auf vielen Websites wird GA4 mit einer leichten Verzögerung ausgelöst, um die wahrgenommene Geschwindigkeit zu verbessern oder die Zustimmung zu respektieren. Diese Verzögerung wird problematisch, wenn der Benutzer die Seite schnell verlässt.
Technische Analysen zeigen, dass
• bei einer Verzögerung von mehr als 1,5 Sekunden bis zu 20 % der Sitzungen möglicherweise nie aufgezeichnet werden
• diese Zahl steigt auf Mobilgeräten und instabilen Netzwerken
Die Search Console bleibt auch hier gegenüber diesen Parametern unempfindlich.
Sichtbare Seiten bei mehr Anfragen ohne entsprechenden Verkehr
Seit Anfang des Monats beobachten einige Websites einen Anstieg der Impressionen und Klicks in der Search Console bei erweiterten Anfragen. Diese Klicks stammen manchmal von sehr peripheren Anfragen mit geringer Absicht.
Der Benutzer klickt aus Neugier, findet nicht sofort, was er sucht, und geht dann zurück. Der Klick wird gezählt, die Sitzung nicht.
SEO-Audits zeigen einen durchschnittlichen Anstieg von +18 % der Search Console-Klicks bei langen Anfragen, ohne einen entsprechenden Anstieg der GA4-Sitzungen.